Beim Thema Familienfreundlichkeit „nicht nur so tun“

Kurz vor dem Ortseingang von Erndtebrück, oberhalb der Ederstraße thront das Gelände der EEW Group (ehemals Erndtebrücker Eisenwerk). In den Hallen des Unternehmens herrscht geschäftiges Treiben, große Metallrohre liegen überall ordentlich aufgereiht – viele davon meterlang. „Unsere Rohre kommen unter anderem in Offshore-Windparks zum Einsatz“, erklärt Jessica Becker, Personalleiterin bei EEW. Seit 2022 trägt ihr Betrieb das Zertifikat „Familienfreundliches Unternehmen“, das die Regionalagentur der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe jährlich vergibt. In diesem Jahr wurde das Unternehmen erneut zertifiziert. Für EEW ist das ein wichtiger Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte. „Wir können den Bewerberinnen und Bewerbern zeigen, dass wir wirklich ein familienfreundliches Unternehmen sind. Wir tun nicht nur so“, sagt Jessica Becker. Noch in diesem Jahr können sich Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe erstmals oder wieder zertifizieren lassen.

„Mit dem Zertifikat wollen wir die Unternehmen in der Region dabei unterstützen, für Arbeitnehmer attraktiv zu sein“, erklärt Melanie Schreier von der Regionalagentur. Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe, die sich für das Zertifikat interessieren, können sich bei der Regionalagentur melden. Anfangs gibt es einige Workshops zum Thema Familienfreundlichkeit – später kommt ein Gutachter ins Unternehmen. Der spricht sowohl mit der Unternehmensleitung, als auch mit der Arbeitnehmervertretung. „So werden beide Seiten befragt und man bekommt ein gutes Bild davon, wie die familienfreundlichen Maßnahmen im Unternehmen funktionieren“, sagt Melanie Schreier.

In den Gesprächen mit den Gutachtern wird schnell deutlich, was Unternehmen gut machen und was noch verbessert werden kann. „Ich habe schon vor dem Gespräch einige unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt und nur positives Feedback zu unserer Familienfreundlichkeit bekommen“, erzählt Lena Hammer. Die Leiterin der kaufmännischen Ausbildung bei EEW hat die Zertifizierung schon bei ihrem alten Arbeitgeber umgesetzt und das bei EEW wiederholt. „Uns war klar, dass wir schon vieles richtig machen, aber die Zertifizierung hat uns da einfach eine Struktur gegeben“, sagt sie. Für EEW fällt das Gutachten positiv aus – das Unternehmen darf sich offiziell „familienfreundlich“ nennen.

Flexible Arbeitszeiten, Gesundheits- und Sportangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Familienfeste mit Aktivitäten für Groß und Klein setzt das Unternehmen schon länger um. In Zukunft soll das Angebot noch weiter ausgebaut werden – zum Beispiel mit Ferienangeboten für die Kinder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder mit Angeboten für Ehemalige. Dafür ist auch das Netzwerk hilfreich, das man mit der Zertifizierung aufbauen kann. Denn neben den Workshops organisiert die Regionalagentur auch regelmäßige Netzwerktreffen, zu denen alle zertifizierten Unternehmen eingeladen werden. „Wir gehen da immer hin und der Austausch ist sehr wichtig für uns. Dabei können wir von den Erfahrungen anderer Unternehmen profitieren“, sagt Jessica Becker.

Eine neue Zertifizierungsrunde für familienfreundliche Unternehmen hat gerade begonnen – Unternehmen können sich auch jetzt noch anmelden. Interessierte Unternehmen jeder Größe und Branche aus Siegen-Wittgenstein und Olpe, die sich für das Zertifikat „Familienfreundliches Unternehmen“ anmelden möchten, können sich auf www.regional-agentur.de/vereinbarkeit-von-familie-und-beruf/ informieren oder ein unverbindliches Beratungsgespräch vereinbaren. Dafür stehen Dorothea Kuhl (für Unternehmen aus dem Kreis Olpe), unter 02761-81 396, oder Melanie Schreier (für Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein), unter 0271-333 1191 zur Verfügung.

 

Bildzeile: v.l. Lena Hammer (EEW Group), Melanie Schreier (Regionalgentur), Jessica Becker (EEW Group)

Familienfreundliche Unternehmen: Netzwerk lebt und soll wachsen

Beruf und Familie vereinbaren zu können, ist vielen Menschen bei der Wahl des Arbeitgebers wichtig.

Die Regionalagentur der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe unterstützt Unternehmen dabei, sich familienfreundlich weiterzuentwickeln und dies nach außen zu kommunizieren. Dazu gründete sich bereits vor Jahren das „Netzwerk familienfreundliche Unternehmen“, dem inzwischen rund 50 Unternehmen angehören.

Das eigene Zertifikat „Familienfreundliches Unternehmen“ der Regionalagentur zeichnet heimische Betriebe aus, die sich in diesem Bereich besonders engagieren. Zusätzlich organisiert die Regionalagentur regelmäßige Netzwerktreffen, um den Ideenaustausch zwischen den Mitgliedern zu fördern und neue Impulse zu setzen.

Dazu trafen sich auch kürzlich wieder 25 Unternehmen im modernem Seminarcenter Viega World in Attendorn. „Gesund Führen, gesunde Mitarbeiter:innen“ – dazu gab Katrin Arens, Soulworkerin aus Attendorn, wertvolle Impulse. Die Entwicklung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements im Unternehmen zeigte Stefan Tofote, Vice President HR der Viega GmbH & Co. KG, in seiner Begrüßung auf.

Marc Langel, Gesundheitsmanager bei Viega und Karina Reimann vom Caritasverband des Kreises Olpe lieferten im Folgenden anschauliche Beispiele aus der Praxis eines modernen Gesundheitsmanagements.

Die Pausen wurden von den Teilnehmenden zum regen Ideenaustausch genutzt. „Es ist großartig, dass Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen über ihr Zertifikat „Familienfreundliches Unternehmen“ hinaus von unseren Veranstaltungen profitieren und sich weiterentwickeln möchten!“, freut sich Dorothea Kuhl von der Regionalagentur.

Eine neue Zertifizierungsrunde für familienfreundliche Unternehmen hat gerade begonnen. Interessierte Unternehmen jeder Größe und Branche, die sich für das Zertifikat „Familienfreundliches Unternehmen“ können sich jetzt anmelden.

Foto (v.l.): Referentin Katrin Arens, Dorothea Kuhl von der Regionalagentur, Carina Reimann vom Caritasverband Olpe, Marc Langel von der Viega GmbH & Co. KG.

Foto: Caritasverband Olpe

50 Teilnehmende informieren sich über Teilzeitberufsausbildung

Über 50 Personen haben kürzlich die Chance genutzt, sich im Olper Kreishaus über eine Berufsausbildung in Teilzeit zu informieren. Eingeladen zu dem Infovormittag hatten die Beauftragten für Chancengleichheit der Jobcenter Olpe und Siegen-Wittgenstein und der Bundesagentur für Arbeit sowie die Regionalagentur.

Zunächst erläuterten die Beauftragten für Chancengleichheit Yeliz Yilmaz-Pfeifer, Janina Kötting und Mira Fleper-Tröster, wie eine Ausbildung in Teilzeit zum Beispiel helfen kann, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen oder parallel eine Ausbildung und einen Sprachkurs zu absolvieren.

Bei einer Teilzeitausbildung muss der Ausbildungsanteil in der Berufsschule vollständig abgeleistet werden, während der Stundenanteil im Ausbildungsbetrieb um bis zu 50 Prozent reduziert werden kann. Durch die niedrigere Stundenzahl sinkt auch das Ausbildungsentgelt – die Familienkasse Siegen informierte darüber, wie Kindergeld und Familienzuschlag helfen können, diesen Verlust abzumildern.

Nach den Vorträgen hatten die Teilnehmenden viele individuelle Fragen. Dafür standen Expertinnen und Experten bereit: So informierte Alexandra Schneider-Joppich vom Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe Südwestfalen über die Inhalte und Dauer einer Teilzeitausbildung in der Pflege. Andrea Perugorria von der IHK Siegen beantwortete alle Fragen rund um die kaufmännische Ausbildung und deren schulische Anteile. Laura Weyand und Sabrina Schmelzer stellten den Teilnehmenden ihr Projekt „Ausblick“ von der Diakonie in Siegen vor, welches bei der Integration in den heimischen Arbeitsmarkt unterstützt. Ursula Rauscher, Leiterin des Landesprojekts „Teilzeitausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein kann den potenziellen Auszubildenden eine unterstützende Begleitung sechs Monate vor Ausbildungsstart und sechs Monate danach anbieten und auch bei der Suche nach der passenden Ausbildungsstelle helfen. Auch Anke Köster von den Beratungsstellen Arbeit im Kreis Olpe konnte mit Rat und Tat rund um das Thema Ausbildung weiterhelfen. So entwickelten sich viele Einzelgespräche.

„Wir freuen uns sehr über die positive Resonanz auf unser Informationsangebot“, erklärt Doro Kuhl von der Regionalagentur der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe. „Es ist uns wichtig, dass möglichst viele Menschen von der Möglichkeit einer Teilzeitberufsausbildung wissen. Denn eine Ausbildung stärkt das eigene Selbstwertgefühl und ermöglicht qualifiziertes Arbeiten und entsprechende Entlohnung“.

Foto: Referentinnen und Referenten verschiedener Organisationen versorgten die Teilnehmenden mit Infos zur Teilzeit-Berufsausbildung.

Foto: Kreis Olpe